{"id":10167,"date":"2026-08-11T11:23:02","date_gmt":"2026-08-11T09:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/hm-i.de\/de_de\/?p=10167"},"modified":"2026-08-11T11:23:02","modified_gmt":"2026-08-11T09:23:02","slug":"coachende-fuehrung-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/coachende-fuehrung-ki\/","title":{"rendered":"Wenn KI die Junior-Arbeit macht: Wer coacht die Seniors?"},"content":{"rendered":"<p><em>Wie K\u00fcnstliche Intelligenz Lernwege ver\u00e4ndert und warum coachende F\u00fchrung f\u00fcr Urteilskraft, Expertise und organisationale Lernf\u00e4higkeit an Bedeutung gewinnt<\/em><\/p>\n<p>Von Katharina Reischenbacher, PCC (ICF), und Dr. Peter H\u00f6her, HM-i GmbH<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10165\" src=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1.png\" alt=\"\" width=\"1672\" height=\"941\" srcset=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1.png 1672w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1-300x169.png 300w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1-18x10.png 18w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-1-600x338.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1672px) 100vw, 1672px\" \/><\/figure>\n<p>Die Frage, wie K\u00fcnstliche Intelligenz unsere Arbeit ver\u00e4ndert, ist l\u00e4ngst im Topmanagement angekommen. Ein aktuelles Beispiel liefert die Deutsche Bank: Financial News berichtete am 4. August 2026, dass die 200 rangh\u00f6chsten F\u00fchrungskr\u00e4fte der Bank zwischen Mai und Juli ein verpflichtendes dreit\u00e4giges KI-Programm absolviert haben. Entwickelt wurde <strong>\u201eTransformational Leadership in the Age of AI\u201c<\/strong> gemeinsam mit der London Business School und Google. Zu den Teilnehmenden geh\u00f6rten Mitglieder des Management Boards ebenso wie Senior Investment Banker, Trader und weitere F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Warum ist diese Meldung relevant? Weil die Deutsche Bank KI nicht als isolierte Technologiefrage behandelt, sondern als F\u00fchrungs- und Transformationsaufgabe. Lawrence Shaw, Head of Workforce Capability, beschreibt die Herausforderung darin, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber zu entwickeln, wie KI das Gesch\u00e4ftsmodell ver\u00e4ndert und wie eine Organisation mit rund 90.000 Besch\u00e4ftigten durch diese Transformation gef\u00fchrt werden kann. Auch der AI Summit der Bank im April 2026 r\u00fcckte neben technologischen M\u00f6glichkeiten die verantwortliche Nutzung und die kritische Bewertung KI-generierter Ergebnisse in den Mittelpunkt.<\/p>\n<p>F\u00fcr HM-i liegt darin ein wichtiger Punkt:<\/p>\n<blockquote><p>Technologische Transformation entfaltet ihren Wert dort, wo Technologie, Kompetenzentwicklung und Organisationsgestaltung zusammen gedacht werden. Genau an dieser Schnittstelle entsteht derzeit eine zweite, weniger sichtbare Ver\u00e4nderung. KI ver\u00e4ndert nicht nur, wie Menschen arbeiten. Sie ver\u00e4ndert auch, woran Menschen lernen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u2192 Vertiefend dazu: <a href=\"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/hr-consulting\/\">HR der Zukunft gestalten: Mensch, Technik und KI r\u00fccken zusammen<\/a><\/p>\n<h2>Wenn Effizienzgewinne Lernwege ver\u00e4ndern<\/h2>\n<p>Gerade im Investment Banking wird dieser Zusammenhang sichtbar. Junior Banker \u00fcbernehmen traditionell einen gro\u00dfen Teil der analytischen Vorarbeit: Sie recherchieren, bereiten Daten auf, erstellen Modelle und Pr\u00e4sentationen und liefern damit wesentliche Grundlagen f\u00fcr Entscheidungen und Kundengespr\u00e4che. Viele dieser T\u00e4tigkeiten lassen sich durch generative KI heute erheblich beschleunigen oder teilweise automatisieren.<\/p>\n<p>Aus Produktivit\u00e4tsperspektive ist das attraktiv. Nachwuchskr\u00e4fte k\u00f6nnen fr\u00fcher komplexere Sachverhalte bearbeiten, Daten interpretieren und st\u00e4rker in den Kundenkontakt hineinwachsen. Die Deutsche Bank diskutiert daf\u00fcr sogar virtuelle Kunden als Trainingsm\u00f6glichkeit. Gleichzeitig nennt sie <strong>kritisches Denken<\/strong> und <strong>professionelle Urteilskraft<\/strong> als F\u00e4higkeiten, die in diesen ver\u00e4nderten Rollen wichtiger werden.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Personal- und Kompetenzentwicklung entsteht jedoch ein Spannungsfeld. <strong>Denn Routinearbeit war in wissensintensiven Berufen nie nur Produktion. Sie war h\u00e4ufig gleichzeitig Qualifizierung.<\/strong> Wer wiederholt Analysen erstellt, entwickelt mit der Zeit ein differenzierteres Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, welche Informationen relevant sind, welche Zusammenh\u00e4nge plausibel erscheinen und an welcher Stelle zus\u00e4tzliche Fragen notwendig werden. Aus deklarativem Wissen wird Erfahrungswissen, aus Regelwissen entstehen Mustererkennung und professionelle Intuition.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10164\" src=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2.png\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"900\" srcset=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2.png 1600w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2-300x169.png 300w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2-1024x576.png 1024w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2-18x10.png 18w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-2-600x338.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/figure>\n<p>Deshalb sollten Unternehmen bei der Automatisierung von Aufgaben k\u00fcnftig zwei Perspektiven miteinander verbinden: den Produktionswert einer T\u00e4tigkeit und ihren Entwicklungswert. Eine Aufgabe kann technisch sehr gut automatisierbar sein und gleichzeitig eine relevante Lerngelegenheit darstellen. Die zentrale Frage lautet dann:<\/p>\n<p><strong>Welche Erfahrungen m\u00fcssen Nachwuchskr\u00e4fte k\u00fcnftig machen, wenn ein Teil der bisherigen Erfahrungsr\u00e4ume durch KI ver\u00e4ndert wird?<\/strong><\/p>\n<h2>Eine gute Leistung ist noch keine entwickelte Expertise<\/h2>\n<p>Generative KI kann den Kompetenzaufbau durchaus beschleunigen. Eine Feldstudie von Erik Brynjolfsson, Danielle Li und Lindsey Raymond mit 5.172 Besch\u00e4ftigten im Kundenservice zeigte einen durchschnittlichen Produktivit\u00e4tszuwachs von rund 15 Prozent durch generative KI. Besonders deutlich profitierten weniger erfahrene Besch\u00e4ftigte. Die Ergebnisse sprechen daf\u00fcr, dass KI Teile des Erfahrungswissens leistungsst\u00e4rkerer Kolleginnen und Kollegen zug\u00e4nglich machen und Lernkurven beschleunigen kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr F\u00fchrung und Personalentwicklung folgt daraus eine wichtige Differenzierung: Unterst\u00fctzte Performanz und eigenst\u00e4ndig verf\u00fcgbare Kompetenz sind miteinander verbunden, aber sie sind nicht identisch. Ein Mitarbeitender kann mit Unterst\u00fctzung eines leistungsf\u00e4higen Systems ein hochwertiges Ergebnis erzeugen. Professionelle Expertise zeigt sich zus\u00e4tzlich darin, ob er erkl\u00e4ren kann, weshalb dieses Ergebnis tr\u00e4gt, ob er Fehler und L\u00fccken erkennt, ein Prinzip auf neue Situationen \u00fcbertr\u00e4gt und eine Entscheidung auch dann vertreten kann, wenn mehrere plausible L\u00f6sungen existieren.<\/p>\n<p>Damit verschiebt sich die Entwicklungsfrage. Vielleicht brauchen Nachwuchskr\u00e4fte k\u00fcnftig tats\u00e4chlich weniger hundert nahezu identische Wiederholungen. Daf\u00fcr brauchen sie bewusst gestaltete Lernschleifen: zun\u00e4chst eine eigene Einsch\u00e4tzung, anschlie\u00dfend die KI-Analyse, dann den Vergleich verschiedener L\u00f6sungswege, begr\u00fcndete Auswahl, Feedback durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen und schlie\u00dflich einen neuen, komplexeren Fall. So kann aus weniger Routine mehr reflektierte Erfahrung entstehen.<\/p>\n<h2>Future Skills sind mehr als technologische Skills<\/h2>\n<p>Der aktuelle OECD-Policy-Brief <strong>\u201eAI and skills: What we know so far\u201c<\/strong> unterst\u00fctzt diese Perspektive. <strong>Weniger als ein Prozent der Besch\u00e4ftigten werden demnach fortgeschrittene KI-spezifische F\u00e4higkeiten wie Programmierung oder Modellentwicklung ben\u00f6tigen.<\/strong> F\u00fcr wesentlich mehr Menschen gewinnen digitale F\u00e4higkeiten sowie die Kompetenz an Bedeutung, Daten zu nutzen, zu analysieren und zu interpretieren. Gleichzeitig bleiben Managementkompetenzen und <strong>menschliche F\u00e4higkeiten wie Probleml\u00f6sen, Kreativit\u00e4t und Innovation wesentlich.<\/strong><\/p>\n<p>Die zentrale Entwicklungsaufgabe besteht deshalb weniger darin, m\u00f6glichst viele Menschen zu technischen KI-Spezialistinnen und -Spezialisten auszubilden. Entscheidend wird, Menschen dazu zu bef\u00e4higen, KI qualifiziert einzusetzen, Ergebnisse fachlich und situativ zu bewerten und daraus tragf\u00e4hige Entscheidungen abzuleiten. F\u00fcr HM-i ist diese Verbindung wesentlich: AI Literacy braucht eine menschliche und organisationale Tiefenstruktur. Dazu geh\u00f6ren <strong>Fachkompetenz, Reflexionsf\u00e4higkeit, kritisches Denken, Perspektivenintegration und professionelle Urteilskraft.<\/strong><\/p>\n<h2>Arbeit ist ein Lernraum<\/h2>\n<p>Die OECD r\u00fcckt in ihrer 2026 ver\u00f6ffentlichten Studie \u201eGiving Informal Learning the Recognition it Deserves\u201c informelles Lernen ausdr\u00fccklich in den Mittelpunkt. Ein erheblicher Teil von F\u00e4higkeiten entwickelt sich im Arbeitsalltag, durch Erfahrung, selbstst\u00e4ndiges Probleml\u00f6sen, soziale Interaktion, Beobachtung, Mentoring und den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. <strong>Lernf\u00f6rderliche Arbeitspl\u00e4tze brauchen deshalb Aufgabenvielfalt, echte Probleml\u00f6sem\u00f6glichkeiten und bewusst gestalteten Wissenstransfer.<\/strong><\/p>\n<p>Das deckt sich mit unserem Verst\u00e4ndnis von Learning &amp; Development bei HM-i: Kompetenzentwicklung entsteht in individuellen und kollektiven Lernarrangements. Corporate Learning umfasst Seminare und Trainings ebenso wie informelles und eigenverantwortliches Lernen im Arbeitsprozess. F\u00fcr die KI-Transformation folgt daraus eine klare Konsequenz: Wenn Unternehmen Arbeitsprozesse neu gestalten, sollten sie gleichzeitig die Lernprozesse neu gestalten.<\/p>\n<h2>Coachende F\u00fchrung wird zur Lerninfrastruktur<\/h2>\n<p>Wenn Lerngelegenheiten weniger beil\u00e4ufig \u00fcber wiederkehrende Routinen entstehen, m\u00fcssen sie bewusster gestaltet werden. Damit r\u00fcckt die unmittelbare F\u00fchrungskraft ins Zentrum. Sie beeinflusst t\u00e4glich, welche Aufgaben Mitarbeitende \u00fcbernehmen, welchen Entscheidungsspielraum sie erhalten, welche R\u00fcckmeldung sie bekommen und ob aus einer Erfahrung tats\u00e4chlich Lernen entsteht.<\/p>\n<p>Auch die OECD hebt diese Rolle aktuell hervor: <strong>F\u00fchrungskr\u00e4fte sollen Lernen am Arbeitsplatz f\u00f6rdern, konstruktives Feedback geben, Mitarbeitende coachen und informell erworbene Kompetenzen erkennen.<\/strong> Damit erh\u00e4lt die Idee der coachenden F\u00fchrung eine neue strategische Bedeutung. Professionelles Coaching und coachende F\u00fchrung bleiben dabei klar unterscheidbare Rollen. Eine F\u00fchrungskraft tr\u00e4gt Ergebnis-, Personal- und h\u00e4ufig Budgetverantwortung. <strong>Coachingkompetenz erweitert dieses F\u00fchrungsrepertoire um eine Entwicklungsdimension.<\/strong><\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10166\" src=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3.png\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"900\" srcset=\"https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3.png 1600w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3-300x169.png 300w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3-1024x576.png 1024w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3-18x10.png 18w, https:\/\/hm-i.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wenn-ki-die-junior-arbeit-macht-wer-coacht-die-seniors-3-600x338.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/figure>\n<p>Eine coachende F\u00fchrungskraft erkennt, wann Orientierung und Entscheidung gefragt sind, und wann ein Mitarbeitender mehr entwickelt, wenn sie zun\u00e4chst zuh\u00f6rt, eine Frage stellt, eine Perspektive erg\u00e4nzt oder die eigene L\u00f6sung f\u00fcr einen Moment zur\u00fcckh\u00e4lt. Gerade in einer Arbeitswelt mit jederzeit verf\u00fcgbarer KI-Unterst\u00fctzung wird diese F\u00e4higkeit relevant. Denn inzwischen kann auch die F\u00fchrungskraft innerhalb von Sekunden Antworten generieren lassen. Entwicklungswirksam wird F\u00fchrung dort, wo aus einer verf\u00fcgbaren Antwort ein eigener Denkprozess entsteht.<\/p>\n<h2>Coachende F\u00fchrung ist empirisch anschlussf\u00e4hig<\/h2>\n<p>Die Forschung besch\u00e4ftigt sich seit vielen Jahren mit Managerial Coaching beziehungsweise dem \u201eManager as Coach\u201c. Hagen und Gavrilova Aguilar untersuchten bereits 2012 den Zusammenhang zwischen Coachingkompetenz von F\u00fchrungskr\u00e4ften und Lernergebnissen im Teamkontext. Ihre Ergebnisse unterstreichen, dass Coachingexpertise und Empowerment f\u00fcr Lernprozesse in Teams relevant sind. Reviews zu Managerial Coaching heben zus\u00e4tzlich Verhaltensweisen wie aktives Zuh\u00f6ren, Fragen, Reflexion sowie eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung hervor.<\/p>\n<p>Diese Evidenz l\u00e4sst sich mit benachbarten Forschungsfeldern verbinden. Forschung zu psychologischer Sicherheit zeigt, wie wichtig ein Klima ist, in dem Fragen, Zweifel und unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen ausgesprochen werden k\u00f6nnen. Meta-analytische Befunde zu autonomieunterst\u00fctzender F\u00fchrung unterstreichen die Bedeutung von Handlungsspielraum und selbstbestimmter Motivation. Zusammengenommen entsteht ein konsistentes Bild: Lernen am Arbeitsplatz braucht F\u00fchrung, die Leistungserwartung mit Reflexion, Feedback, Vertrauen und wachsender Verantwortung verbindet.<\/p>\n<h2>Welche Kompetenzen braucht die coachende F\u00fchrungskraft im KI-Zeitalter?<\/h2>\n<ul>\n<li>\n<h6>Dialogkompetenz: Denken verstehen und weiterentwickeln<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Coachende F\u00fchrung beginnt mit pr\u00e4zisem Zuh\u00f6ren. Die F\u00fchrungskraft versucht nachzuvollziehen, wie ein Mitarbeitender zu einer Einsch\u00e4tzung kommt, welche Annahmen dahinterliegen und welche Perspektiven noch fehlen. Gerade bei KI-generierten Ergebnissen kann eine Frage wie \u201eWelche Teile dieser Analyse \u00fcberzeugen dich, und woran machst du das fest?\u201c mehr Entwicklung ausl\u00f6sen als die sofortige Korrektur.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h6>Reflexionskompetenz: Erfahrung in Lernen \u00fcbersetzen<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erfahrung allein erzeugt noch keine Expertise. Entwicklungswirksam wird sie, wenn Menschen das Erlebte auswerten: Welche Annahme war tragf\u00e4hig? Was hat \u00fcberrascht? Welche Information fehlte? Was w\u00fcrde beim n\u00e4chsten Mal anders entschieden? Die F\u00fchrungskraft schafft daf\u00fcr kurze, regelm\u00e4\u00dfige Reflexionsschleifen im Arbeitsprozess.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h6>Feedbackkompetenz: professionelle Ma\u00dfst\u00e4be sichtbar machen<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erfahrene Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte verf\u00fcgen h\u00e4ufig \u00fcber implizites Wissen. Entwicklungsorientiertes Feedback macht dieses Wissen anschlussf\u00e4hig. Es erkl\u00e4rt nicht nur, was verbessert werden kann, sondern auch, woran Qualit\u00e4t erkennbar wird. So wird pers\u00f6nliche Erfahrung zu einer Lernressource f\u00fcr andere.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h6>Autonomie und Verantwortung entwicklungsorientiert gestalten<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Urteilskraft w\u00e4chst mit eigener Verantwortung. Gute F\u00fchrung erweitert deshalb Handlungsspielr\u00e4ume passend zum Entwicklungsstand. Aus Beobachtung wird Beteiligung, aus Beteiligung Teilverantwortung und daraus zunehmend eigenst\u00e4ndige Entscheidungskompetenz. KI kann diesen Prozess unterst\u00fctzen. Die Erfahrung, selbst zu entscheiden und die Folgen zu reflektieren, bleibt zentral.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h6>Psychologische Sicherheit und konstruktiven Widerspruch erm\u00f6glichen<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer lernen soll, muss Unsicherheit sichtbar machen k\u00f6nnen. Das gilt besonders dann, wenn KI Antworten mit hoher sprachlicher Sicherheit liefert. Mitarbeitende brauchen einen sozialen Rahmen, in dem sie sagen k\u00f6nnen: \u201eIch verstehe diese Schlussfolgerung noch nicht\u201c, \u201eIch sehe ein Risiko\u201c oder \u201eIch habe eine andere Hypothese\u201c. Psychologische Sicherheit und hohe Leistungsstandards erg\u00e4nzen sich dabei.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h6>AI Literacy mit F\u00fchrungsurteil verbinden<\/h6>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur coachenden F\u00fchrung der Zukunft geh\u00f6rt ein ausreichendes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was KI leisten kann, wo \u00dcberpr\u00fcfung erforderlich ist und welche Aufgaben Menschen bewusst selbst durchdenken sollten. Die F\u00fchrungskraft gestaltet damit den passenden Grad menschlicher und technologischer Unterst\u00fctzung, mit Blick auf Arbeitsqualit\u00e4t und Lernwert.<\/p>\n<h2>Von Coachingangeboten zur Coachingkultur<\/h2>\n<p>Dass Coaching auch organisational gedacht werden kann, zeigt das Beispiel Bosch. Die Initiative \u201eWe Coach Bosch\u201c wurde 2021 mit einem ICF Prism Award ausgezeichnet. Ziel war, unterschiedliche Coachinginitiativen zu verbinden und Coaching breiter in der Organisation zu verankern. Sp\u00e4tere ICF-Veranstaltungen beschreiben zudem \u201eCoaching Practices for Leaders\u201c als Bestandteil dieser Coachingkultur.<\/p>\n<p>Der Award selbst ist kein Wirksamkeitsnachweis. Der Fall zeigt jedoch eine f\u00fcr die aktuelle KI-Transformation relevante Organisationslogik: Coaching kann \u00fcber die individuelle Intervention hinaus als Teil einer Entwicklungsarchitektur verstanden werden. Entwicklung wird dann nicht an einzelne Seminare oder Coachingmandate delegiert, sondern st\u00e4rker in F\u00fchrung, Zusammenarbeit und Arbeitsalltag integriert.<\/p>\n<p>\u2192 Passend dazu: <a href=\"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/coaching-in-der-organisationsentwicklung\/\">Coaching in der Organisationsentwicklung: Transformationen gestalten<\/a><\/p>\n<h2>Die HM-i-Perspektive: KI-Transformation braucht Entwicklungsarchitektur<\/h2>\n<p>Aus unserer Sicht sollten Unternehmen drei Ebenen miteinander verbinden. Auf der individuellen Ebene brauchen Mitarbeitende eine Verbindung aus AI Literacy, Fachkompetenz, Reflexionsf\u00e4higkeit und professioneller Urteilskraft. F\u00fchrungskr\u00e4fte wiederum verbinden Orientierung und Ergebnisverantwortung mit Coachingkompetenz. Organisationen gestalten Arbeit zugleich als Lernraum und sorgen daf\u00fcr, dass Erfahrungen zwischen Menschen, Teams und Funktionen weitergegeben werden.<\/p>\n<p>Damit greifen Leadership Development, Learning &amp; Development und Organisationsentwicklung unmittelbar ineinander. Die coachende F\u00fchrungskraft wird zu einem wichtigen Architekten von Lern- und Erfahrungsr\u00e4umen. Ihre Aufgabe besteht weniger darin, Wissen als knappe Ressource weiterzugeben. Wissen ist zunehmend verf\u00fcgbar. Wertvoll wird die F\u00e4higkeit, Menschen dabei zu unterst\u00fctzen, aus Wissen Kompetenz, aus Erfahrung Urteilskraft und aus Verantwortung professionelle Expertise zu entwickeln.<\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/fuehrungskraefteentwicklung\/\">Mehr zu unserem Ansatz: Leadership &amp; Management bei HM-i<\/a><\/p>\n<h2>Wer entwickelt die Menschen, die morgen entscheiden?<\/h2>\n<p>Vielleicht sollten Unternehmen ihre KI-Roadmaps deshalb um eine zweite Landkarte erg\u00e4nzen: Welche T\u00e4tigkeiten ver\u00e4ndern sich? Welche Kompetenzen sind bisher bei ihrer Bearbeitung entstanden? Welche Erfahrungen brauchen Nachwuchskr\u00e4fte k\u00fcnftig, um Expertise aufzubauen? Und welche F\u00fchrungskompetenzen ben\u00f6tigen ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte, um diesen Entwicklungsprozess wirksam zu begleiten?<\/p>\n<p>F\u00fcr uns f\u00fchrt diese Diskussion weit \u00fcber AI Literacy hinaus. Sie f\u00fchrt zu einer Kernfrage moderner F\u00fchrung und Personalentwicklung: Wie gestalten wir Arbeit so, dass Menschen mit leistungsf\u00e4higer KI schneller und besser arbeiten k\u00f6nnen und gleichzeitig ihre eigene Urteils-, Lern- und Verantwortungsf\u00e4higkeit weiterentwickeln?<\/p>\n<p>Die Seniors von morgen entstehen weiterhin aus den Juniors von heute. Ihre Lernwege ver\u00e4ndern sich. Wie gut diese Entwicklung gelingt, wird wesentlich davon abh\u00e4ngen, ob Organisationen Technologie, Lernen und F\u00fchrung gemeinsam gestalten und ob F\u00fchrungskr\u00e4fte eine Kompetenz beherrschen, deren Bedeutung mit jeder leistungsf\u00e4higeren Antwortmaschine w\u00e4chst: Menschen beim eigenen Denken zu begleiten.<\/p>\n<h4>Diese Serie wird fortgesetzt<\/h4>\n<p>Als n\u00e4chster Beitrag ist in zwei Wochen geplant: \u201eWie entsteht Urteilskraft? Warum gute Entscheidungen Erfahrung und Reflexion brauchen.\u201c<\/p>\n<h2>Coachende F\u00fchrung gezielt entwickeln<\/h2>\n<p>Wie gelingt es F\u00fchrungskr\u00e4ften, Orientierung zu geben und zugleich Denken, Lernen und Eigenverantwortung zu f\u00f6rdern? HM-i begleitet F\u00fchrungskr\u00e4fte und Organisationen dabei, Coachingkompetenz als Teil wirksamer F\u00fchrung zu entwickeln.<\/p>\n<ul>\n<li>\u2192 <a href=\"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/initial-consultation\/\">Leadership &amp; Management bei HM-i kennenlernen<\/a><\/li>\n<li>\u2192 <a href=\"https:\/\/hm-i.de\/en_gb\/fuehrungsstil-test\/\">F\u00fchrungsstil-Test als Reflexionsimpuls<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Quellen und weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>Financial News (2026): Deutsche Bank puts 200 top bankers through mandatory AI training, 4. August 2026.<\/li>\n<li>Deutsche Bank (2026): Deutsche Bank\u2019s AI Summit prompts a fundamental shift in mindset, 30. April 2026.<\/li>\n<li>OECD (2026): AI and skills: What we know so far.<\/li>\n<li>OECD (2026): Giving Informal Learning the Recognition it Deserves.<\/li>\n<li>Brynjolfsson, E.; Li, D.; Raymond, L. (2025): Generative AI at Work. The Quarterly Journal of Economics, 140(2), 889 bis 942.<\/li>\n<li>Hagen, M.; Gavrilova Aguilar, M. (2012): The impact of managerial coaching on learning outcomes within the team context: An analysis. Human Resource Development Quarterly.<\/li>\n<li>Frazier, M. L. et al. (2017): Psychological Safety: A Meta-Analytic Review and Extension. Personnel Psychology, 70, 113 bis 165.<\/li>\n<li>Slemp, G. R. et al. (2018): Leader autonomy support in the workplace: A meta-analytic review. Motivation and Emotion, 42, 706 bis 724.<\/li>\n<li>ICF Events: Eine starke Coachingkultur im Unternehmen: WeCoachBosch \/ Coaching Practices for Leaders.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>\u00dcber diesen Beitrag<\/h2>\n<p>Der Beitrag verbindet aktuelle Forschung zu KI, informellem Lernen und Managerial Coaching mit der HM-i-Praxis in Leadership Development, Coaching und Organisationsentwicklung.<\/p>\n<p>Autor:innen: Katharina Reischenbacher, PCC (ICF), Managing Director HM-i GmbH \u00b7 Dr. Peter H\u00f6her, Executive Coach, Organisationsentwickler und ehemaliger Professor.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie K\u00fcnstliche Intelligenz Lernwege ver\u00e4ndert und warum coachende F\u00fchrung f\u00fcr Urteilskraft, Expertise und organisationale Lernf\u00e4higkeit an Bedeutung gewinnt Von Katharina Reischenbacher, PCC (ICF), und Dr. Peter H\u00f6her, HM-i GmbH Die Frage, wie K\u00fcnstliche Intelligenz unsere Arbeit ver\u00e4ndert, ist l\u00e4ngst im Topmanagement angekommen. 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