Coaches unterscheiden sich messbar von der Allgemeinbevölkerung. Für ihre Wirksamkeit spielt das eine kleinere Rolle, als die Zahlen vermuten lassen.
Es gibt jetzt Zahlen zu einer Frage, über die in der Szene lange nur erzählt wurde. Bachmann und Berz (2024) haben 559 deutschsprachige Coaches mit dem Big Five Inventory 2 befragt und die Werte mit einer Normstichprobe der Allgemeinbevölkerung verglichen. Die Unterschiede sind deutlich.
Coaches beschreiben sich als offener für Erfahrungen (d = 1,01), emotional stabiler (negative Emotionalität d = -1,02), geselliger und aktiver (Extraversion d = 0,88) und rücksichtsvoller im Umgang (Verträglichkeit d = 0,86). Auch die Gewissenhaftigkeit liegt höher (d = 0,49). Zur Einordnung: Ab einem d von 0,8 sprechen wir von einem starken Effekt. Vier der fünf Dimensionen liegen darüber oder nahe daran.
Das durchschnittliche Alter der Befragten lag bei 53,7 Jahren, die durchschnittliche Coachingerfahrung bei 12,5 Jahren. Es handelt sich um Selbstauskünfte, und wer beruflich mit Beziehungsgestaltung arbeitet, kennt die sozial erwünschte Antwort. Der Abstand zur Normstichprobe ist trotzdem zu groß, um ihn allein damit zu erklären.
Die naheliegende Schlussfolgerung ist falsch
Aus solchen Zahlen wird schnell ein Auswahlkriterium. Wer offen, zugewandt und stabil ist, eignet sich für den Beruf. Alle anderen sollten es lassen. Die Wirksamkeitsforschung stützt diesen Schluss nicht.
De Haan, Grant, Burger und Eriksson (2016) haben 1.895 Coach-Klient-Paare aus 34 Ländern untersucht, insgesamt 3.882 aufeinander abgestimmte Befragungen. Der stärkste Prädiktor für den Coachingerfolg war die Arbeitsbeziehung aus Sicht der Klienten. Sie erklärte 31 Prozent der Varianz. Für die Persönlichkeitspassung zwischen Coach und Klient fanden die Autoren keine bedeutsamen Effekte. Besonders interessant für die Praxis: Die Aufgaben- und Zielaspekte der Arbeitsbeziehung wogen schwerer als die emotionale Bindung. Sympathie allein trägt also nicht weit.
Damit fällt ein verbreitetes Verkaufsargument. Das Matching nach Persönlichkeitstyp, das viele Plattformen anbieten, hat in dieser Studie nichts erklärt. Was zählte, war die Fähigkeit des Coaches, gemeinsam an Zielen und Aufgaben zu arbeiten und dabei eine tragfähige Beziehung herzustellen. Das ist Handwerk, und Handwerk ist lernbar.


Wer am meisten von Coaching profitiert
Jones, Woods und Zhou (2019) haben in einem kontrollierten Feldexperiment 84 Beschäftigte über drei Messzeitpunkte begleitet. Am stärksten verbesserten sich Personen mit hoher Offenheit, mit einer vermeidungsorientierten Zielausrichtung und mit niedrigen Kernselbstbewertungen. Also Menschen, die neugierig sind und zugleich an sich zweifeln.
Das widerspricht dem Bild vom souveränen Klienten, der sich Coaching als Belohnung gönnt. Es passt zu dem, was wir in Ausbildungsgruppen sehen: Die größten Entwicklungssprünge macht selten die Person, die schon am ersten Tag am sichersten wirkt.
Was daraus für eine Ausbildung folgt
Wenn Persönlichkeit den Zugang zum Beruf erklärt und die Beziehungsarbeit die Wirkung, dann muss eine Ausbildung genau daran arbeiten. Konkret heißt das: Kontraktarbeit üben, bis die Auftragsklärung im Dreieck mit der Organisation sitzt. Zuhören unter Beobachtung. Fallarbeit mit Feedback aus der Gruppe. Supervision durch erfahrene Lehrcoaches. Prüfung am Ende, weil Selbsteinschätzung allein nicht reicht.
Persönlichkeitsdiagnostik bleibt dabei ein nützliches Werkzeug im Coachingprozess. Als Eignungsfilter für den Beruf taugt sie nach heutiger Datenlage nicht.
Ihr eigener Stand
Zwei kostenfreie Selbsttests führen weiter. Der Big-Five-Persönlichkeitstest zeigt Ihr Profil über die fünf Dimensionen, die oben verglichen werden, mit 40 Aussagen. Der Coach-Skills-Check bildet die acht ICF-Kernkompetenzen in der Fassung 2025 ab, dazu ein neuntes Feld zu digitaler Praxis und KI, mit 60 Aussagen in rund fünfzehn Minuten. Beide liefern eine ausführliche Auswertung als PDF.
Die nächste Business Coach Ausbildung startet am 1. Oktober 2026 mit einem Online-Kickoff, Modul 1 folgt am 9. und 10. Oktober in Köln. Zwölf Plätze, Anmeldeschluss 20. September 2026, 4.200 Euro für den Certified Systemic Coach einschließlich Prüfung, umsatzsteuerbefreit, akkreditiert nach ICF Level 1.
Quellen
- Bachmann, T. und Berz, J. (2024) Die Persönlichkeit von Coaches: Eine quantitative Untersuchung der Big Five Persönlichkeitsdimensionen von Coaches, Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 31(3), S. 351-369. doi: 10.1007/s11613-024-00885-z.
- De Haan, E., Grant, A. M., Burger, Y. und Eriksson, P.-O. (2016) A large-scale study of executive and workplace coaching: The relative contributions of relationship, personality match, and self-efficacy, Consulting Psychology Journal: Practice and Research, 68(3), S. 189-207. doi: 10.1037/cpb0000058.
- Jones, R. J., Woods, S. A. und Zhou, Y. (2019) The effects of coachee personality and goal orientation on performance improvement following coaching: A controlled field experiment, Applied Psychology, 68(2), S. 420-458. doi: 10.1111/apps.12218.