Je häufiger Beschäftigte mit KI-Systemen arbeiten, desto einsamer fühlen sie sich. Zu diesem Ergebnis kommen vier Studien mit 800 Teilnehmenden aus vier Ländern.
Pok Man Tang und sein Team haben 2023 im Journal of Applied Psychology untersucht, was die Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz mit Menschen macht. Befragt wurden Ingenieurinnen und Ingenieure eines Biomedizinunternehmens in Taiwan, Immobilienberater in Indonesien sowie Beschäftigte in den USA und in Malaysia. Das Muster war überall ähnlich. Wer im Arbeitsalltag viel mit KI-Systemen zu tun hatte, fühlte sich häufiger einsam. In einigen Stichproben schliefen diese Menschen schlechter und tranken nach Feierabend mehr Alkohol.
Mindestens so aufschlussreich ist ein zweiter Befund, denn dieselben Personen halfen ihren Kolleginnen und Kollegen häufiger als andere. Die Forschenden deuten das als Versuch, den fehlenden sozialen Kontakt zurückzuholen. In Indonesien haben sie die KI-Nutzung drei Tage lang gezielt verändert und fanden ähnliche Effekte. Ein Teil der Ergebnisse bleibt korrelativ; die Richtung ist trotzdem deutlich. Menschen suchen Menschen, und sie suchen sie umso stärker, je mehr ihre Arbeit über Bildschirm und Sprachmodell läuft.
Was ein Netzwerk leistet
Ein Sprachmodell beantwortet fast jede Frage, doch es kennt Sie nicht und empfiehlt Sie niemandem. Diese Leistung erbringen bis heute Menschen, und zwar häufig solche, die wir gar nicht zu unserem engsten Kreis zählen.
Mark Granovetter hat 1973 beschrieben, dass berufliche Chancen oft über lose Bekanntschaften entstehen. Enge Freunde bewegen sich in denselben Kreisen wie wir und wissen meist dasselbe, während lose Kontakte neue Informationen bringen. Was lange als plausible These galt, haben Karthik Rajkumar, Sinan Aral, Erik Brynjolfsson und Kollegen 2022 in Science experimentell bestätigt. Sie werteten Daten von mehr als 20 Millionen LinkedIn-Mitgliedern über fünf Jahre aus, mit rund zwei Milliarden neu geknüpften Verbindungen und 600.000 Stellenwechseln. Am meisten halfen mäßig lose Kontakte, also Menschen, mit denen man einige gemeinsame Bekannte teilt, ohne eng befreundet zu sein.
Soziale Beziehungen wirken weit über die Karriere hinaus. Julianne Holt-Lunstad und Kollegen haben 148 Studien mit zusammen 308.849 Menschen ausgewertet. Wer gut eingebunden war, hatte im Beobachtungszeitraum eine um 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Gute Beziehungen sind damit auch eine Frage der Gesundheit.
Connecting 2026: ein Nachmittag im Main Plaza


Genau für diese Art von Begegnung gibt es seit mehr als zehn Jahren das HM-i Connecting. Am 26. September 2026 kamen rund 30 Coaches, Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Beratende im Main Plaza in Frankfurt am Main zusammen. Katharina Reischenbacher führte durch den Nachmittag.
Sandra Sester eröffnete mit einem Leadership Case: Eine erfolgreiche Führungskraft übernimmt eine neue Rolle, und ihre bewährten Führungslogiken greifen plötzlich nicht mehr. An den Tischen entstanden Hypothesen, die anschließend im Plenum geprüft wurden. Thorsten Gall arbeitete mit der Gruppe an der Post-it-Wand, Prof. Dr. Stefan Diestel diskutierte mit dem Plenum. Raik-Michael Meinshausen zeigte anhand von Messdaten aus Organisationsdiagnosen, wo leistungsfähige Organisationen Energie verlieren. Jasmin Brandstätter fragte, wann ein Netzwerk wirklich karrierewirksam wird. Beim Abendessen im Restaurant Isoletta gingen die Gespräche weiter.
Einen Eindruck vom Tag gibt der Film „HM-i Empower People“. Er steht zusammen mit zehn Interviews auf unserer Partnerseite.
Was Absolventinnen und Absolventen sagen
Am Rande des Connecting haben wir ehemalige Teilnehmende unserer Business Coach Ausbildung gefragt, was Coaching und die Ausbildung für sie bedeuten. Viele Antworten kreisen dabei um das Gespräch zwischen Menschen.
Alexander Döpper sagt, die Ausbildung habe ihm „den Fokus noch einmal auf das Menschliche geschärft“. Djure Scheiding beschreibt Coaching als Werkzeug, „um nicht in Annahmen zu leben, sondern nachzufragen“. Gabriele Eckner war erstaunt, was die Ausbildung mit ihrem Blick auf die Dinge, ihrer Arbeit mit Menschen und ihrer Art, ein Team zu führen, gemacht hat. Alle Interviews können Sie auf der Partnerseite ansehen.
Was das für Führung und Personalentwicklung bedeutet
Wo KI Routinen übernimmt, fallen viele kleine Anlässe für Begegnung weg, etwa die Rückfrage am Nachbartisch, die Abstimmung vor dem Termin oder der gemeinsame Blick auf ein Problem. Diese Anlässe waren nie im Organigramm verzeichnet, und doch haben sie Beziehungen gestiftet. Führungskräfte und HR können sie bewusst neu schaffen:
- Begegnung dort einplanen, wo KI bisher Abstimmung ersetzt, etwa als regelmäßige Fallbesprechung im Team.
- Kontakte über die eigene Organisation hinaus pflegen. Nach Rajkumar und Kollegen kommen neue Impulse oft von Menschen, die man nur gelegentlich trifft.
- Gesprächsführung als Kompetenz entwickeln, also Fragen stellen, zuhören und Annahmen prüfen. Genau das üben angehende Coaches in ihrer Ausbildung.
Die nächsten Jahrgänge der Business Coach Ausbildung
Wer Menschen in Veränderung begleiten will, braucht Methoden und ein Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen, mit denen er sich austauscht, und unsere Business Coach Ausbildung verbindet beides. Das Ausbildungsprogramm ist von der International Coaching Federation (ICF) auf Level 1 akkreditiert, die Teilnehmenden bleiben über das Connecting und das Alumni-Netzwerk auch nach dem Abschluss in Kontakt.
- Köln: Kick-off online am 15. April 2027, Modul 1 am 23. und 24. April 2027
- Frankfurt am Main: Kick-off online am 21. Oktober 2027, Modul 1 am 29. und 30. Oktober 2027
Die Ausbildung zum Certified Systemic Coach (Module 1 bis 4) kostet 4.200 Euro, die vollständige Ausbildung zum Certified Business Coach (Module 1 bis 8) 8.100 Euro, jeweils netto und einschließlich Prüfung. Bei Anmeldung bis zum 30. November 2026 gilt der Frühbucherpreis von 4.075 Euro beziehungsweise 7.850 Euro. Der Kölner Jahrgang hat zwölf Plätze.
Termine, Inhalte und Anmeldeunterlagen finden Sie auf der Seite zur Business Coach Ausbildung und unter coachausbildung.com. Gerne sprechen wir mit Ihnen in einem kostenfreien Orientierungsgespräch über Ihre Fragen.
Herzliche Grüße
Ihr HM-i Team
Passende Angebote von HM-i
- Führungskräfteentwicklung: Programme für Führung in komplexen Lagen
- Coachende Führung und KI: Blogbeitrag
- Connecting 2025 im Rückblick: Blogbeitrag
Quellen
- Granovetter, M. S. (1973) The strength of weak ties, American Journal of Sociology, 78(6), S. 1360-1380. doi: 10.1086/225469.
- Holt-Lunstad, J., Smith, T. B. und Layton, J. B. (2010) Social relationships and mortality risk: A meta-analytic review, PLoS Medicine, 7(7), e1000316. doi: 10.1371/journal.pmed.1000316.
- Rajkumar, K., Saint-Jacques, G., Bojinov, I., Brynjolfsson, E. und Aral, S. (2022) A causal test of the strength of weak ties, Science, 377(6612), S. 1304-1310. doi: 10.1126/science.abl4476.
- Tang, P. M., Koopman, J., Mai, K. M., De Cremer, D., Zhang, J. H., Reynders, P., Ng, C. T. S. und Chen, I.-H. (2023) No person is an island: Unpacking the work and after-work consequences of interacting with artificial intelligence, Journal of Applied Psychology, 108(11), S. 1766-1789. doi: 10.1037/apl0001103.